Ist das nicht verrückt? Ein Mann versucht in den Kühlschrank zu krabbeln weil er zu warm angezogen ist… anstelle einfach seinen Pulli auszuziehen.
Doch was machen wir anderes im täglichen (Gefühls)Leben?
Was ist beispielsweise Liebeskummer? Ist da nicht täglich, stündlich der Wunsch, die Gefühle eines anderen Menschen zu ändern, damit die eigenen Gefühle (Traurigkeit, Deprimiertheit, Verzweiflung …) geändert werden?
Buddha sprach vor vielen hundert Jahren vom Nicht-anhaften. Krishna unterwies Arjuna auf dem Streitfeld von Kurukshetra in genau den gleichen Dingen (… do work for work's sake …). Die Lösung ist also bekannt, wird jedoch nicht angewendet: Menschen sind Meister in der hohen Kunst des Augenverschließens – bzw. sie werden von ihren Gefühlen gemeistert und zum Augenverschließen bewegt.
Wie oft, schien es, brauchte man nur noch dieses eine Ding, diese eine Beziehung, diesen einen neuen Auftrag, und danach würde sich die Welt ändern. Die Welt, die schon seit 14 Milliarden Jahren existiert. Diese Welt zumindest.
Nun, diese Erfahrungen haben zumindest etwas gutes: man macht sie einmal, zweimal, immer wieder … bis man einfach keine Lust mehr darauf hat.
Gentlemen, der Punkt ist bei mir schon seit längerem erreicht. Jetzt mache ich es offiziell: ich habe keine Lust mehr darauf, mich von meinen Gefühlen regieren zu lassen, und "natürlich" zu reagieren. Auf Beleidigungen, Nicht-Zurückgeliebt-Werden, Ungerechtigkeiten, Drohungen, Schmähungen, Enttäuschungen uvm.
Die Zeit die ich in diesem Zustand, der sich Leben nennt, verbringen darf, schreitet unerbittlich fort. Immer weiter, bis zum Tod. Der Endpunkt der einen genauso überrascht wie einstmals das Physikum oder die Scheinfreiheit. Und es gibt noch viel zu tun! Viel zu sehen, viel zu entdecken!
Man mag einwenden, dass dieses Gefühl der Neugier auf das Leben AUCH ein Gefühl ist, und ich mich ebenfalls davon steuern lasse. Guter Einwand, schlechtes Gegenargument: es ist das harmloseste und produktivste Gefühl. Ich mache mich am wenigsten von der Welt abhängig. Wenn es in einer Richtung nichts mehr weiter zu entdecken gibt, breche ich meine Zelte ab und reite in den Sonnenuntergang.

Images: sxc.hu (timobalk & plrang. Thanks, guys!)