Angriff des Killer-Chaos

Ich hatte einen Freund, der hat seinen Hund Kill-Beagle genannt. Obwohl das sicher der letzte Hund auf der Welt gewesen wäre, der einem was angetan hätte. Immerhin hat er aber furchtbar bellen können, und ich hatte immer eine gewisse Angst während ich vor seiner Wohnung stand. Würde mich die Bestie anfallen? Würde ich schmerzhafte Bisse erleiden müssen? Mutig sah ich dem Tod ins Auge und klingelte …

Heute sind Benni und sein Beagle schon einige Jahre aus meinem Leben getreten … es hat sich jedoch ein neuer heimlicher Killer gefunden. Keiner, der laut bellt und allgemein einfach präsent ist – eher einer der durch Zermürbung und Lustlosigkeit arbeitet. Termindruck, lästige Pflichten und unnötige Unterbrechungen, Einschränkungen und kleine Gemeinheiten sind seine Waffen.

Wie begegnet man einem unsichtbaren, unfassbaren Oktopus mit tausenden von Armen, mit denen er einen jeden Morgen sanft umschlingt, um einen liebevoll in die tiefsten, trübsten Gewässer zu zerren?

Was ist es, was ich vom Leben möchte – in diesem Augenblick?

Warum hat mich mein Antrieb verlassen, warum macht sich Lustlosigkeit breit? Arbeit wäre mehr als genug da. Vielleicht mehr, als ich in diesem Leben bewältigen kann. Doch der Antrieb reicht im Moment gerade nur noch dazu, diesen Artikel zu schreiben …

Angriff des Killer Chaos

Das was mich da so bedroht, was mir jetzt und in diesem Augenblick die Lebensfreude eintrübt ist das Killer-Chaos. Ungewißheit macht mir nichts aus – es ist die ständige scheinbar notwendige Beschäftigung mit Dingen die für mich spaßfrei sind.

Kein Wunder, werden doch viele Dinge schnell für mich langweilig und uninteressant, wenn ich mich ausgiebig mit ihnen beschäftigt habe.

Meine Seele strebt nach Großem, sofort.  Mein Verstand, mein Verantwortungsbewußtsein – oder ist es die Angst? – halten mich auf "dem Boden der Tatsachen".

Nachdem alles auf dieser Welt relativ ist, und ich auch dafür bekannt bin, dass alles "doch noch funktioniert", stellt sich mir die Frage: was bzw. wo ist der Boden der Tatsachen?

Gen Kolumbien!?

Wenn ich Lust hätte, könnte ich meine Aktien verkaufen und in einen Flieger nach Kolumbien steigen. Sogar der Reisepass ist verlängert.

Einen Moment reizt mich diese Idee. Und zwar nicht so sehr wegen Kolumbien sondern wegen des wahnsinnigen Chaos was in meinem Leben entstehen würde.

In Wirklichkeit mag ich das Chaos. Ich mag es, wenn ich überrascht werde und die Dinge nicht so laufen, wie ich sie geplant habe. Im Alltagstrubel vergesse ich das leider nur zu oft… das Chaos äußert sich im Kleinen und im Alltag. Es ist, wie der Beagle meines Freundes, ein bellender Hund. Und bellende Hunde beißen nicht.

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