Bei meiner Schwester gab es in der Uni eine gewisse Julia, die versuchte sie zu mobben. (Versuchte – denn meine Schwester ist kein typisches "Opfer" des Mobbings, sie nimmt es sich Gott sei Dank auch nicht so besonders zu Herzen, und ignoriert Julia einfach). Julia hatte bspw. ihr in einer e-Mail geschrieben "Du hast doch so selbstgerecht getan, und hast du jetzt die eine Prüfung bestanden?".
Meine Schwester ist recht bekannt und beliebt im Studium; sie ist sehr nett, freundlich und lebenslustig. Wie kommt man dann auf die Idee, sie auf diese zugegeben alberne Art und Weise erniedrigen zu wollen?
Ich denke bei Julia stecken ausgeprägte Minderwertigkeitskomplexe dahinter. Julia versucht ihren eigenen Selbstwert, und ihre eigene Selbstachtung dadurch anzuheben indem sie andere erniedrigt. (Anstelle bspw. etwas zu leisten, worauf sie und andere stolz sein können).
Mir ist noch nicht ganz klar, ob es dabei auch einen genetischen Einfluß gibt. Vielleicht gibt es tatsächlich einen Neurotransmittermangel, der zugrundeliegt, und je nach der Konstellation anderer Neurotransmitter, dem Erziehungsstil und den gemachten Erfahrungen in den einen oder anderen Charaktertyp dann mündet. Auf der einen Seite die völlig unterwürfigen, die unselbständigen, usw., auf der anderen eben die Mobber.
Mann, bin ich froh nicht zu den Mobbern zu gehören. Wie muss sich ein Mensch innerlich fühlen, der andere Menschen niedermacht um glücklich zu sein? (Mache ich das nicht auch gerade, kommt mir da in den Sinn? Aber nein. Ich habe Julia nicht extrem schlechtgemacht, oder beschimpft. Höchstens indirekt. Wir bleiben sachlich und wissenschaftlich).
Saddam Hussein hat keine besonders rosige Jugend gehabt. Er trug bspw. immer einen Eisenstock mit sich herum um sich gegen die anderen Jugendlichen in dem Dorf verteidigen zu können. Später sagte er "Irak ist nichts ohne Saddam Hussein". Klar ein Fall von Größenwahnsinn. Den Irak gibt es heute immer noch, und Saddam Hussein … hat am Strang das zeitliche gesegnet. Er hat (zusammen mit anderen!) viel Leid in diese Welt gebracht, war schlussendlich jedoch selbst ein Opfer seiner Neurochemie und Neuro-Konstellationen …
Ist Strafe für solche Menschen die richtige Wahl? Bspw. Julia einmal richtig die Meinung zu sagen? Das wird sie wohl in dem Glauben bestärken dass es sich bei uns "um Idioten handelt", die "völlig unter ihrer Würde sind" oder dgl. (frei erfunden, nicht Julias Worte). Menschliche Gehirne haben einen ausgeprägten Selbstschutzmechanismus, der die Sicht auf die Realität, oder eine etwas objektivere Interpretation der Realität blockiert. Bspw. Bindungsgestörte Menschen: anstelle sich in Therapie zu begeben, trennen sie sich vom Partner … um sich dem Teufel im tiefen Inneren nicht stellen zu müssen. Sehr schmerzhafte Erinnerungen aus der Kleinkindzeit eben. Doch die ist längst vorbei, und es gelten andere Regeln. Niemand kann einem komplett die Freiheit wegnehmen, oder das Selbstbewußtsein. Kein Mensch, ob Präsident oder Mutter Theresa, ist "wertvoller" als man selbst, außer man glaubt es. Mit anderen Worten: diese Menschen sind schon gestraft genug auf ihre Art und Weise … und je mehr man sich in ihre Netze begibt, versucht dagegen anzukämpfen, ihnen etwas zu beweisen, desto mehr wertvolle Lebenszeit verliert man. Es ist ihre eigene Aufgabe vor der Wahrheit nicht mehr wegzulaufen. Trotzdem sollte Mobbing öffentlich geächtet werden, damit es nicht zu Nachahmern kommt oder es als valide Lösungsstrategie abgespeichert wird.
Prävention ist denke ich der richtige Weg. Hilfe für Eltern, stabilere Familien, weniger Belastung / Leistungsdruck durch die Gesellschaft. Gute Gespräche. Und weniger Schmerzen.