Nordnet, der beste Deutschland-Online-Broker aller Zeiten hat gestern überraschend angekündigt, dass sie aus dem deutschen Geschäft aussteigen, und "mit OnVista einen neuen Partner gefunden haben".
Kleiner historischer Rückblick
Im Jahre 2003 hat Stocknet, damals der größte norwegische Onlinebroker, den Einstieg in das deutsche Geschäft gewagt. Günstige Konditionen und eine bequeme Handelsplattform sicherten ein stetiges Wachstum der deutschen Kundenschaft.
2004 wurde Stocknet dann von dem größten schwedischen Online-Broker Nordnet übernommen, damit haben sie auch das deutsche Geschäft und das deutsche Team übernommen. Es ging für die deutschen Kunden mit ähnlich günstigen Konditionen weiter, und mit der Einführung der Abgeltungssteuer hatten die Nordnet-Kunden jetzt zusätzliche Vorteile: das ganze Jahr handeln, mit voller Liquidität.
Vor einigen Tagen dann die überraschende Nachricht:
OnVista übernimmt Nordnet's Deutschland Sparte
Gemäß diesem und diesem Artikel wird OnVista, ein Broker mit ca. 27.000 Kunden, die Kunden von Nordnet in Deutschland (ca 10.000 Depots) gegen 7 bis 10 Millionen übernehmen (der genaue Betrag wird noch verhandelt). Nordnet gibt an, dass sie insgesamt 323.000 Kunden haben. Einige Zeit zuvor hatten sie sich bereits aus dem Luxemburger Markt zurückgezogen, um sich jetzt neu auf dem skandinavischen Markt zu positionieren.
Was hatten wir an Nordnet?
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ein übersichtliches Interface ohne Werbung
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günstige Ordergebühren (
PDF Kopie der Bedingungen in 2010)
Eine Beispielorder über 10.000 € kostete im Standardtarif 4,99 € + 10 € = 14,99 €, mit einem Cap bei 44,98 €.
und im Supertrader-Tarif 3,49 € + 5 € = 8,49 € – ein wahrlich einmaliger Preis!
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wenige, verständliche Extrakosten
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Großzügige Wertpapierbeleihung
bspw. wird Aareal Bank zu 70 % beliehen.
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VIPP-Limit, d.h. 100 % des Depotwertes als zinsloser Tageskredit (eine wohl einzigartige Sache!)
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Last but not least: keine automatische Abwicklung der Abgeltungssteuer – dadurch erhöhte Liquidität das Jahr hindurch!
Ich bedauere die Entscheidung von Nordnet und hoffe dass das für Deutschland zuständige Team neue Aufgaben und Herausforderungen innerhalb der Nordnet Gruppe erhält. Danke für die gemeinsamen Jahre, den herausragenden Support, und all die Zeit und Mühe die Ihr in Deutschland gesteckt habt!
Es ist fraglich, ob Nordnet skandinavischen Kunden weiterhin den Zugang zu deutschen Märkten erlaubt – das wird gerade evaluiert. Evtl. wäre sonst eine Lösung, ein neues Depot weiter im Norden führen zu lassen.
Wie geht es nun für uns Börsianer weiter?
OnVista
OnVista gibt unter der Telefonnummer 069-7107-777 Auskunft für Nordnetkunden, in der 34. Kalenderwoche (ab dem 23. August) geht jedem Kunden ein umfassendes Infopaket zu.
Ab 1. November werden die Depots komplett umgestellt, das alte Nordnet – Interface wird durch das OnVista Interface ersetzt. OnVista bietet zwei Möglichkeiten zu handeln: Das Webinterface – unter www.onvista-bank.de abzurufen – ähnelt, gemäß dem OnVista Support, OnVista.de Accounts, während das Stand-Alone Trading Tool, GlobalTradingSystem, vorab getestet werden kann. Zugangsdaten zum Testen (um das Interface mal zu sehen), gibt es beim OnVista Support unter oben angegebener Telefonnummer.
OnVista bemüht sich, den Nordnet-Kunden möglichst hohe Kontinuität zu gewähren ("gewohntes Umfeld, was die Konditionen betrifft"). Die genauen Details werden momentan noch entworfen, einen Ausblick wohin die Reise geht, gibt OnVista's Geschäftsführer in diesem Interview.
Was momentan ziemlich sicher feststeht:
- ein Jahr lang kann man zu unveränderten Konditionen weiterhandeln
- das VIPP Limit kann bei OnVista weiter benutzt werden (was damit am deutschen Markt einmalig bleibt!)
- es wird ein neuer Kreditvertrag zugeschickt, falls dann die Beleihung genehmigt wird können auch beliehene Werte komplett von Nordnet zu OnVista transferiert werden.
- Es wird außerdem in Zukunft möglich sein, bspw. an der EUREX (weltweit größte Terminbörse) zu handeln, und anderes, was sich Nordnet Kunden immer wieder gewünscht haben, aber bisher noch nicht umgesetzt wurde.
- Die Abgeltungssteuer wird automatisch erhoben, wobei bisherige Verluste und Gewinne natürlich berücksichtigt werden.
- Die alten Logindaten werden nicht mehr funktionieren, man erhält ein neues Passwort und einen neuen Benutzernamen
Um die Ordertiefe (bis zu 10 Geld/Brief) einsehen zu können, zahlt man bei OnVista momentan 15 € pro Monat zusätzlich. Realtimekurse (bester Geld / Briefkurs) können bis zu 1000 Mal kostenlos abgerufen werden, danach ist der Aufruf kostenpflichtig. OnVista überlegt, Nordnet Kunden die Premiumvariante von GlobaTradingSystem (mit Ordertiefe) kostenlos anzubieten, oder zumindest nicht weitere Gebühren nach mehr als 1000 Aufrufen der Realtimekurse zu berechnen.
OnVista hat mit dem Kaufpreis bereits viel in die deutschen Kunden investiert, es ist ihnen sicherlich daran gelegen, diese Kunden nach dem einen Jahr nicht durch überhöhte Gebühren zu verlieren. Wir können also im Moment nicht genau sagen, wie die Konditionen sich danach entwickeln werden. Die Geschäftsführung von OnVista wird darüber im Laufe des nächsten Jahres entscheiden. Ein möglicher Ansatz ist, die momentanen Gebühren für Neukunden anzuschauen.
Momentane Situation und Gebühren bei OnVista für Neukunden
Zunächst einmal zur Beleihung: OnVista beleiht momentan 70 Titel, je nach Volatilität von 40 – 90 %. Die Aareal Bank wird zu 44 % beliehen. Ob weitere Titel, vielleicht auch speziell für Nordnetkunden, beliehen werden, wird noch entschieden werden.
OnVista hat einen Preisvergleich online gestellt, in dem man die Orderkonditionen je nach Markt, Ordergröße und anderen Faktoren bestimmen kann.

"FreeBuys" erhält man, wenn das durchschnittliche Cash-Guthaben auf dem Verrechnungskonto mindestens 2000 € beträgt. Dabei wird der Vormonat zugrundegelegt, und die Zahl der FreeBuys ist begrenzt – bspw. erhält man bei 2000 € Guthaben 2 FreeBuys, bei 3000 € 5 FreeBuys, bei 5000 € 10 usw.
Wenn man keine FreeBuys hat, zahlt man ganz normal die Ordergebühren, die momentan höher sind als bei Nordnet. Es ist natürlich nach wie vor eine Frage der Zahlen – Nordnet hat bspw. ein höheres Cap als OnVista, was sich bei großen Transaktionsvolumina bemerkbar macht.
OnVista halbiert durch die FreeBuys effektiv die Ordergebühren (Gebühren werden nur bei Verkauf gezahlt). Dadurch sind sie ähnlich günstig wie Nordnet:

Die zwei Sternchen markieren den folgenden Text: ** zzgl. Börsengebühren, Fremdspesen, Maklercourtage oder ähnlichen Kosten.
Bspw. sind bei Flatex noch sämtliche Börsengebühren fällig (u.a. Clearing und Tradinggebühren). Daher ist dieser Kostenrechner mit Vorsicht zu genießen.
Für inaktive Trader (Bestandskunden von OnVista und Neukunden) werden zur Depotführung bei OnVista nach dem ersten Jahr Gebühren erhoben: "ansonsten Inaktivitätspauschale in Höhe von 3,99 €/Monat".
Ein Wort zur Abgeltungssteuer
Nordnet-Kunden hatten in den letzten Jahren zunehmend "Schwierigkeiten" mit dem Finanzamt. Nordnet muss als schwedische Bank Pflichtangaben an das Land Schweden übermitteln, Schweden wiederum kooperiert immer intensiver mit dem Ausland – unter anderem Deutschland. So kam es dazu, dass verschiedene Nordnet-Kunden dem Finanzamt gegenüber erklärungspflichtig waren. Es geht hier natürlich nicht um Steuerhinterziehung – es ist einfach ein anderes Modell, das dem Depotinhaber zugegebenermaßen Vorteile bietet – aber vollkommen legal ist. Deutschland kann schließlich ausländische Makler nicht dazu zwingen, zusätzliche Komplexität in ihr System aufzunehmen – die Folge wäre u.U. der Ausstieg der jeweiligen Plattformen aus dem deutschen Markt.
Bei OnVista, sowie natürlich anderen deutschen Banken, ist es möglich eine Nichtveranlangungsbescheinigung zu hinterlegen. Dadurch wird die Abgeltungssteuer nicht mehr erhoben. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man voraussichtlich unter den Freibeträgen (ca. 8000 € Einkommen pro Jahr für Singles) bleibt.
Alternativen zu OnVista
LYNX – www.lynxbroker.de
Persönlich für Fragen erreichbar unter +49(030)-3032-8669-0, bis 18:00 Uhr.
LYNX hat genauso wie Nordnet den Vorteil, dass die Abgeltungssteuer vom Kunden selber am Ende des Jahres abgerechnet wird, da es sich um ein niederländisches Unternehmen handelt.
LYNX hat eine Mindesteinlage von 4000 €. Das Ordermodell auf XETRA ist einfach: 0,15 % vom Ordervolumen – aber mindestens 6 € und höchstens 99,90 €. Für eine Beispielorder über 10.000 € ergeben sich also Kosten von 15 €.
Die Webseite macht einen sehr sympathischen, übersichtlich-aufgeräumten Eindruck. LYNX bietet einen Demoaccount an, die Wartefrist dafür beträgt momentan eine Woche.
Realtimekurse für XETRA kosten bei LYNX 15 € pro Monat.
LYNX beleiht Aareal zu maximal 50 % wenn man das Geld aus dem Depot auszahlen läßt (Lombardkredit), zu 75% wenn man es benutzt, um weitere Werte zu kaufen (Margenkredit). Wenn die Beleihungsgrenzen durch bspw. fallende Werte überschritten werden, reagiert das System innerhalb von 10 Minuten mit automatischen Verkäufen zu Marketkonditionen.
Flatex – www.flatex.de
Persönlich für Fragen erreichbar unter +49 – (0)9221 – 7035897, von 8:00 bis 20:00 Uhr.
Flatex berechnet neben einer Flatrate von 5 € die Kosten die an der Börse direkt anfallen (diese können hier abgerufen werden). Für eine Beispielorder über 10.000 € Volumen ergibt sich rechnerisch eine Ordergebühr von 6,985 €.
Die Webseite ist etwas bunter als LYNX, wirkt jedoch durch und durch professionell.
Die Abgeltungssteuer wird wie bei jedem deutschen Broker taggleich (d.h. über Nacht) verrechnet.
Flatex bietet einen Lombardkredit auf im Depot liegende Werte, bspw. wird die Aareal Bank, ein MDAX Wert, mit 50 % beliehen. Die Beleihungssätze werden von einem externen Datenlieferanten geholt, daher kann keine pauschale Aussage getroffen werden.
Ein bemerkenswertes Feature ist der außerbörsliche Handel zu 5,90 € Flatrate per Order.
InteractiveBrokers ("IB") – www.interactivebrokers.com
Persönlich für Fragen erreichbar unter 00800-42-276537, von 8:00 bis 20:00 Uhr.
Im sogenannten "Bundled" Modell bezahlt man bei IB für Handel auf XETRA 0,1% der Transaktion, mindestens €4, max €99. Die Beispielorder über 10.000 € würde also 10 € kosten.
Der Handel auf Frankfurt ist zzgl. Specialist fees, dafür aber (ohne diese) bei 39,00 € gecappt. Bei DAX Titeln betragen diese Maklergebühren 0,04 % bei allen anderen 0,08 %.
IWBank – www.iwbank.de
Persönlich für Fragen erreichbar unter 00800 – 99 11 8888, von 9:20 bis 17:30 Uhr.
Die IWBank hat, wie LYNX auch, ein sehr einfaches Ordermodell: für XETRA 0,199% (min. €5 max. €18). Unsere Beispielorder kostet hier also 18 €. Momentan ist kein Handel auf Frankfurt möglich.
Die Seite der IWBank ist sachlich und übersichtlich gehalten, man findet sich schnell zurecht.
Als italienische Bank führt die IWBank die Abgeltunssteuer nicht ab, der Kunde ist selbst dafür zuständig. Somit steht diese für weiteren Handel im Laufe des Jahres zur Verfügung. Es gibt keine Mindesteinlage und keine Depotführungsgebühren. Momentan bietet die IWBank lediglich Short Selling an, aber keinen Lombardkredit auf im Depot liegende Werte.
Als weitere Besonderheit bietet die IWBank Realtime Kurse von XETRA kostenlos an.
Targobank – www.targobank.de
Bei der Targobank handelt man für eine Pauschale von 9,99 €, unabhängig von dem Ordervolumen – die Biespielorder kostet also 9,99 €. Vorausgesetzt sie wird taggleich ausgeführt, und jeweils zum gleichen Kurs falls nicht am Stück. Bei verschiedenen Kursen wird jedesmal erneut 9,99 € fällig.
Als deutsche Bank führt die Targobank die Abgeltungssteuer gleich ab, sie wird beim Verkauf gleich einbehalten.
Um einen Lombardkredit zu eröffnen muss man einen Termin in einer Filiale vereinbaren.
ViTrade – www.vitrade.de
Persönlich für Fragen erreichbar unter 0800-333 20 01 von 8:00 bis 22:00 Uhr.
ViTrade verlangt eine Mindesteinlage von 10.000 € und mindestens 50 Trades pro Monat. Ihre Orderkonditionen sind für XETRA 0,15% (dabei min. €9,95 max. €50) zzgl. €0,59 und bei Parkett entstehen weitere Kosten. Für unsere Beispielorder über 10.000 € ergeben sich also Kosten in Höhe von 15,59 €.
Ein Lombardkredit ist möglich, die Aareal Bank wird zu 50 % beliehen. Die Abgeltungssteuer wird mit jeder Order neu verrechnet.
Die Webseite ist sachlich / klassisch dunkel gehalten.
Weitere Broker
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www.directa.com/de
bis 50.000 € folgendes Modell: 4,00 € + Exchange / Clearing Fee. Bspw. Deutsche Börse 5,08 € bei einem Ordervolumen von 10.000 €
keine zus. Kosten bei Orderänderung, StopLoss, Teilausführung
Realtime Kurse 21,00 € pro Monat
Webseite schaut nicht so professionell aus
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- www.brokerjet.at – Konditionsverzeichnis (PDF)
Konditionen sind etwas schlechter als bei LYNX (gestaffelt je nach Ordervolumen), Trading auch auf Parkett möglich
- netbank.de
Konditionen ähnlich wie bei der Targobank – 10 € Flatrate.