Geld an sich ist nichts – in einem Moment wertlos, wenn es von keinem Menschen mehr akzeptiert wird. Allemal als (schlechtes, da stinkendes und schlecht brennendes) Heizmaterial verwendbar.
Geld ist ein Symbol – es erlaubt uns, Prozesse zu steuern, ihnen einen symbolischen Wert zu geben, um sie mit anderen Prozessen auszugleichen. Wenn ich z.B. eine Webseite für einen Kunden entwickele, stecke ich nicht nur eine gewisse Anzahl von Stunden, sondern auch Fachkenntnisse, Fachwerkzeuge (bspw. Programmier- und Designsoftware die ich erst anschaffen musste) in das Projekt. Der Kunde benötigt die Webseite um z.B. Waren zu vertreiben – er hat sich eine Maschine bestellt, und in diese investiert. In dem Preis seiner Waren ist die Investition für die Maschine anteilig berücksichtig.
Was jedoch, wenn es Alternativen gibt? Bspw. würde niemand auf die Idee kommen, zu sagen “Hey, dieser Gärtner hintergeht unsere Bauern. Er zahlt nicht den vorgesehenen Preis in der professionellen Massenproduktion, er setzt nicht professionelle Methoden ein, um seine Tomaten zu ziehen, er verzichtet auf Dünger sowie Schädlingsbekämpfungsmittel … seine Tomaten können einfach nicht gut schmecken!”
Im Gegenteil – “natürliche”, selbst-angebaute oder selbst zubereitete Produkte gelten als besser, die Produktion derselben wird meistens bewundert und die Produkte auch gerne konsumiert.
Der Produktionsprozess erfordert kein “Geld” in dem Sinn – natürlich müssen unter Umständen Samen angeschafft, ein Garten angemietet usw. – es ist nunmal in unserer Welt momentan Usus – jedoch läuft der Prozess eigentlich ganz alleine, natürlich. Und das ist das faszinierende daran – ein organischer, selbsterhaltender Prozess!
In meinen Augen folgt Open Source Software oder auch Freeware zuweilen ähnlichen Modellen. Es gibt bspw. Caligari TrueSpace – ein professionelles 3D-Modelling und Renderingprogramm komplett kostenlos, inklusive allen Videotrainingskursen. Es gibt OpenOffice. Es gibt GNU/Linux und Debian. Es gibt auch Freeware von Microsoft – TrueSpace gehört Microsoft (sie haben es nach dem Kauf während einer Rezession eingestampft.) Der Bau und der Vetrieb dieser Softwarepakete entsteht manchmal aus vorher kostenpflichtigen (bspw. StarOffice) Paketen, manchmal wächst er organisch heran – Linux ist sicher ein prominentes Beispiel hierfür.
In allen Fällen wird Geld hier nicht primär als Steuerinstrument eingesetzt.
Geld ist wie Englisch – es ist Lingua Franca einer weiten Population auf der gesamten Erde, wir können uns mit den meisten Menschen dadurch verständigen, und unsere Umwelt dadurch manipulieren. Jedoch gibt es Menschen und Möglichkeiten, die nicht durch Geld erschaffen werden können. Kitschig, aber wahr: wahre Liebe z.B.. Nicht jeder Mensch spricht Englisch, nicht alle akzeptieren Dollars, Euro oder wie die Währungen auch immer heißen mögen. Zum Einen gibt es da Menschen die nie Englisch gelernt haben – zum anderen solche die es nicht lernen wollen. Genauso beim Geld: es gibt Menschen, die einfach mit dem Konzept des Geldes nichts anfangen können (indogene Völker), zugegeben diese sind einige wenige Hunderttausend auf dem Angesicht dieser Erde. Es gibt andere die schon so viel davon haben, dass sie wirklich loslassen können. Alle anderen können tendenziell mit genug Geld dazu gebracht werden, Dienste zu leisten (so wie ich bspw. Webseiten baue, Programmiere, Tanze, Singe und Gedichte schreibe). Daher ist Geld für uns so wertvoll – es ist Lingua Franca der Dienste, der Produkte und generell des Tausches von “Wertgegenständen”.
Niemand wird jedoch auf die Idee kommen, phantasmogorische erotisch angehauchte Machtphantasien über Englisch zu ersinnen. “Wenn ich erstmal 100.000 Worte Englisch spreche, ja dann, dann bin ich glücklich. Nein wirklich. Nur noch 99.000 Worte muss ich lernen!”. Niemand.
Genauso sollte man beachten, dass Geld eine Lingua Franca ist, nicht die Lingua Franca. Es gibt noch andere Tauschwerte – Stolz auf seine eigene Leistung (bspw. eleganter Open Source Code), Gütertausch, der Wunsch an die Community zurückzugeben (ich release demnächst einige Software kostenlos in Open Source aus tiefer Dankbarkeit meinen Library-Schreibern gegenüber. Wirklich geniale Libraries, das!) – and so on.
D.h. Geld ist primär nur Mittel zum Zweck. Es hat keinen intrinsischen Selbstwert, man muss ein Ziel haben, das man erreichen möchte.
Bspw. die Gründung einer GmbH, damit die Firma weiter wächst und solider wird – das erfordert 25.000 € Mindestkapitaleinlage (bei einem Alleingesellschaftler). Wenn ich also eine GmbH gründen möchte, DANN brauche ich Geld.
100 Millionen auf der Bank, oder ein Koffer voll wertlosem Papier machen ohne Ziel den Gegenwert einzufordern wirklich, wirklich keinen Sinn.
Lasst uns daher nach höherem schon jetzt streben, und Geldsorgen um die Zukunft (“Was wenn ich mir nur einen Porsche leisten kann? Nur einen einzigen? Ob das reicht?? Und was ist wenn er in der Werkstatt ist, was dann? Den vom Nachbarn leihen?!?) in den Wind schießen.
(In memory of a “high output writer” on the USENET. I once joined in a boycot against him. I’m truly, truly sorry. Think for yourself, Schmuck!)