Nach einem ereignislosen Flug – ein sturkopfiger Inder wollte nicht mit Ivo den Platz tauschen, so dass ich während dem Flug dann nicht neben dem Fenster sitzen konnte – setzten wir um 7:10 indischer Zeit am 11. September auf indischem Boden auf.
Das erste was wir bemerkten war der nagelneue Teppichboden im Gang von den Flugzeugen zur Ankunftshalle. Ja, ein Teppich: helles, einladendes Muster – man fühlt sich gleich willkommen, fast wie in einer Familie.
Nachdem wir einen Citibank Automaten entdeckten – als ehemaliger Citibank, jetzt Targobankkunde darf ich bis Ende des Jahres kostenfrei abheben (!) – und uns durch die verwirrende Menüstruktur (Fast Cash – Cash – Credit // Checking – ? – Credit) zu 6000 Rupien hindurchnavigierten, hieß es: ab nach Delhi. Doch wie? An der Info gab uns die Frau den Tip, mit einem staatlichen Bus für – zu zweit und Gepäck – 100 Rupien nach Delhi zu fahren. Ein günstiger Preis im Vergleich zu einem Taxi oder einem Auto-Riksha (Rs 250 aufwärts). Ein Euro entspricht ca. 60 Rupien. Der Beginn von India on the Cheap™!

Main Bazaar in Delhi
In der Monsunzeit ankommen heißt auch, dass man von Regen begrüßt wird. Auf der Suche nach einer Bleibe liefen wir durch die schlammige Straße mit den schweren Backpacks Richtung Bahnhof, mit Ziel Main Bazaar, einer Straße mit Budget-Motels (ca Rs 500 aufwärts pro Nacht fürs Doppelzimmer). Doch nachdem wir die Gleise des Bahnhofs überquert hatten, nahm sich unserer anscheinend ein gutmütiger wenn auch sehr aufdringlicher Indischer Bahnhofsoffizieller an, und begleitete uns zu einem Auto-Rikshaw. Wir sollten nicht mehr als Rs 20 zahlen, dafür das dieser uns zum Connaught Place, und dort zum Tourist Information Centre bringen sollte. Main Bazaar wäre gemäß diesem Inder vollkommen unwegsam, die Hotels würden zwar arbeiten, aber die Straße wäre ein einziger großer, schlammiger Bauplatz, und für uns Europäer wahrlich nicht zumutbar.
Am Connaught Place machten wir dann also Bekanntschaft mit dem Tourist Information Centre. Oder bessergesagt mit den Tourist Information Centres – ihre Masche ist immer dieselbe. Sie geben vor, eine offizielle staatliche Organisation zu sein (ja klar, in einem winzigen Büro, mit einem einzigen Sachbearbeiter im zweiten Stock …), und schlagen auf die offiziellen Preise "Steuern" drauf. Das Indrailticket hätte bspw. bei dem ersten Bureau 199 € (EURO nicht Dollar!) gekostet. Auf der Seite der indischen Eisenbahn, die uns auch noch frech gezeigt wurde, kostet das Ticket 185 US-$. Von Steuern steht da nichts – es gibt nämlich keine dafür! Wir rochen den Braten zum Glück, und weigerten uns, das Ticket dort zu kaufen. Die uns vorher zugesagte kostenlose Karte war dann auf einmal aus! Nicht dass die Karten dieser Tourist Information Centers besonders gut wären … aber die (unbedingt am Flughafen mitzunehmende) kostenlose offizielle Delhikarte war unter dem Regen immer weiter aufgeweicht …
Im zweiten "Tourist Information Centre", denn versuchte uns der Mitarbeiter das Indrail-Ticket wieder auszureden (er hatte diesmal keine Steuern draufgeschlagen), und uns "kostengünstig" Hotels zu vermitteln. Er bot uns sehr aufdringlich an, unsere Dinge in seinem Center zu lassen, bis wir ein Hotel gefunden hatten. Haben wir natürlich auch nicht gemacht.
Auf der Suche nach Früchen durchstreiften wir dann Connaught Place – übrigens kein guter Ort um Früchte zu kaufen – und machten erste Bekanntschaft mit den lästigen Pushern die uns alle in ein Tourist Information Center vermitteln wollten – eines besuchten wir noch, bevor wir beschlossen ihren Argumenten einfach keinen Glauben mehr zu schenken. Es ist eine Umgewöhnung, man muss lernen zu den Leuten die einen belästigen unhöflich zu sein und sie einfach zu ignorieren. Das fällt nicht leicht, die Alternative ist jedoch Zeitverschwendung, und im schlimmsten Fall sogar Geldverschwendung für etwas was man ursprünglich nicht haben wollte (so etwa ein 250 GB USB-Stick fragwürdiger Qualität, aber die Geschichte kommt noch). Man lernt, den Blck abzuwenden, um Desinteresse zu signalisieren, mit einer abwehrenden knappen Geste, sowie verzogenem Gesicht, auch dem letzten indischen Marktschreier klar zu machen, dass man wirklich nicht interessiert ist, und auch schon erfahren genug um sich nicht übers Ohr hauen zu lassen.
Die Masche dieser lästigen Pusher ist immer die gleiche:
- Where are you from, sir?
- How long are you here already in India?
- Where do you want to go next?
Egal was man antwortet, es läuft aufs Tourist Information Centre (Free map!) der Wahl des Pushers hinaus. Das (gelogene) Argument man hätte schon ein (nicht erstattbares) Indrail-Ticket wird damit gekontert, dass das Reisen in der Bahn sehr gefährlich sei, und man das Ticket ja problemlos zurückgeben könnte. Eine Lüge antwortet der anderen. Na ja.
Nachdem Ivo seine Früchte bekommen hatte, marschierten wir Richtung Main Bazaar los. Rs 20 im Kopf, die uns der Inder ganz am Anfang gesagt hatte, lehnten wir einen Riksha-Fahrer nach dem anderen mit Rs 60+ Angeboten ab. Schließlich blieb doch einer übrig, der uns unbedingt in ein Hotel seiner Wahl fahren wollte, auch für Rs 20. Wir dachten natürlich, dass das auch ein Vermittlungsgeschäft ist, waren jedoch schon müde und demoralisiert, und gingen auf seinen Vorschlag ein.
So schlecht war der Vorschlag gar nicht – was zunächst teuer schien (Rs 500 pro Nacht) ist im Vergleich zu den umliegenden Hotels preislich gleich, und wir haben ein eigenes Fenster! Das kriegt man sogar in der Cottage Yes Please für Rs 950 nicht. Das Fenster macht den Raum aber erträglich.

Zimmer im Northern Palace

Bad im Northern Palace
Nachdem ich einiges an Schlaf nachgeholt hatte, erkundeten wir die nächste Gegend, d.h. den Main Bazaar mit seinen Straßenhändlern und Läden die direkt auf die schlammige "Straße" herausgehen, die von Kühen, Motorrad, Motor- und Fahrrad-Rikshafahrern, und natürlich von Fußgängern gleichzeitig benutzt wird. Gehupt wird sehr viel, überfahren wird aber niemand. Im Malhotra, das auch im Lonely Planet lobend erwähnt wird, aßen wir schließlich das erstemal in Indien zu Abend. Ein gutes, günstiges Restaurant mit sehr zuvorkommendem Personal (die "AC", sprich der lästig blasende Ventilator wurde für uns auf Wunsch ausgeschaltet). Sehr gutes, schmackhaftes, aber stellenweise sehr scharfes, Essen.
Gestern, Sonntag, widmeten wir uns dem Süden Delhis. Hamuyans' Tomb, die kleinere Vorgänger-Version von Taj Mahal, an dem auch gerade Handwerker Renovierungsarbeiten durchführten, die Lodi Gardens – sehr beliebt bei jungen indischen Liebespaaren – und schließlich Safdarjang's Tomb. Leider ist die U-Bahn bis zum JW Nehru Stadium noch nicht ausgebaut (das hatte bei uns für Verwirrung gesorgt – aber man kann mit der U-Bahn nur dorthin reisen, wo auch Rupienbeträge in den Zielen drinstehen!), wir mussten mir der Riksha fahren. Das 3-Tages-Ticket mit der U-Bahn kostet Rs 250 (+ Rs 50 Deposit), die Rikshafahrt von Central Secretariat zu Hamuyan's Tomb erhielten wir um Rs 60. Einfach ein paar Rikshafahrer ansprechen (erst nach dem Preis fragen, nicht einfach einsteigen und danach zahlen!), und dann Gegenvorschläge machen, was man bereit ist zu zahlen. Man bekommt dann mehr und mehr Gefühl was man wie weit herunterhandeln kann. Ich hatte auch das Hotel am Tag 2 um Rs 50 heruntergehandelt – mehr Geld fürs Essen :-)

Humuyans Tomb in Delhi
Die U-Bahnfahrt ist sehr interessant – man muss bei jedem Einsteigen durch einen Metalldetektor, und das Gepäck wird wie im Flughafen durch eine X-Ray Maschine gejagt. Danach muss man entweder Tokens oder eine RFID-Karte benutzen, um den Durchgang in die U-Bahn aufzumachen. Das gleiche Token bzw. die RFID-Karte benutzt man am Ausgang. Die Tokens werden von Reise zu Reise gekauft, der Automat schluckt sie beim Aussteigen. Die Karte verwaltet ein Guthaben, es gibt aber auch die Flatrate für Touristen. Wir haben erst eine Karte für einen Tag gekriegt, obwohl wir für drei Tage gekauft hatten, und diese heute reklamiert und nach längerer Diskussion dann auch erstattet gekriegt.
Heute wollten wir eigentlich in die Freitagsmoschee und danach ins Rote Fort – zwei Must-Sees in Delhi. Beides klappte jedoch nicht: für die Moschee waren wir etwas zu spät dran, das Fort hat Montags geschlossen. Jedoch konnten wir einen sehr interessanten hinduistischen (?) Tempel besuchen. Komplett in weiß, mit vergoldeten Kühen und Löwen (mit Blumen im Maul) innen drin, und Gläubigen die die Wände in Hingabe berühren, und Kerzen und Weihrauch abbrennen, das ganze zu einer übersteuerten Hindu-Musik im Hintergrund.
Und ich habe mir in der Nähe dieses Tempels einen USB-Speicherstick für ca. Rs 1100 andrehen lassen. Ein Verkäufer kam auf mich zu und fragte, ob ich einen Stick kaufen würde. Ich lehnte dankend ab. Der Verkäufer blieb hartnäckig, bis ich im schließlich einen Preis nannte, den ich zu zahlen bereit wäre – Rs 500 für einen 32 GB Stick (also umgerechnet 8 – 9 €). Er nahm tatsächlich an! (Ich hatte eigentlich etwas drauf spekuliert dass ihm das zu wenig wäre). Ich erhielt die Ware. Aber nur kurze Zeit drauf wurde ich von einem anderen Freund des Verkäufers angesprochen, ob ich einen 64 GB Stick haben wolle. Ich sagte, nein, ich hätte ja gerade erst einen Stick erworben. Er blieb hartnäckig, ich könnte ja einen Aufpreis von Rs 1000 geben. Schließlich einigten wir uns auf einen Aufpreis von Rs 250 – also insgesamt Rs 750 für 64 GB. Der Stick wechselte den Besitzer. War das das Ende der Geschichte? Nicht solange es noch Speicherkapazität – und Geschäftspotential für den Inder gibt! Auf einmal zauberte er einen 250 GB Speicherstick hervor. Ich brauche sowas nicht, sagte ich ihm. Ich habe doch gerade erst den 64 GB Stick erworben. Er wollte aber unbedingt, dass ich mit zu einem Typen gehen würde, zur Kontrolle des Sticks am Notebook – das er wirklich funktioniert. Ich hatte bei der Geschichte von vornherein meine Zweifel, war aber dann bereit ein wenig auf Risiko zu investieren. Nun sollte dieses Wenig aber immer mehr werden! Der Verkäufer wollte Rs 1500 als Aufzahlung. Ich lehnte ab. Nach langem Hin- und Her erklärte ich mich schließlich bereit, den Stick am Notebook anzuschauen, falls er ihn für Rs 400 Aufpreis verkaufen würde. Nachdem ich den Stick am Notebook gesehen hatte – er wurde tatsächlich erkannt – und auch den 64 GB Stick ausprobiert hatte – handelte ich den Verkäufer noch auf Rs 370 zusätzlich (statt Rs 1500) herunter.
Gerade wird dieser Stick normal formatiert – mit der Schnellformatierung brach er mit einem Fehler ab (was mir noch nie passiert war … aber vielleicht bin ich bei dieser Geschichte auch zu skeptisch.)
Diese Webseite hält Tips und Tools bereit für fragwürdige Flash Speicher die sich nicht formatieren lassen.
Abgesehen von diesen Pushern, die einem Geschäfte andrehen wollen, sind die Inder sehr nette und hilfsbereite Menschen. Wir haben vorhin bspw. einen Herren in der U-Bahn angesprochen, der uns sogar noch ein Stück begleitet hat, um uns den Weg zeigen zu können. Ein sehr sympathischer und gebildeter Mensch!