Früher habe ich Technik im Katalog danach ausgewählt, welches Gerät die meisten Features hatte – feature complete war sehr wichtig für mich. Auch wenn ich nie wirklich ernsthaft gedachte diese Funktionen alle (mehr als einmal) einzusetzen, oder die in Frage kommenden Geräte überhaupt zu kaufen.
René Obermann, der große Häuptling der deutschen Telekom hat vor Kurzem seine neue Strategie für das neue Jahrtausend vorgestellt. In ihr geht es neben dem Wunsch, 2015 1 Milliarde € mit der Übermittlung von Stromzähler- und medizinischen Daten, zu verdienen, als "intelligentes Netz" bezeichnet – auch viel um andere Wünsche und Wunschvorstellungen.
Zunächst um diejenigen Wünsche, die einem waschechten Geek feuchte Träume bereiten: Glasfaser bis ins Haus. 1 Gbit Leitung.

Das, so der aus wirtschaftlicher Sicht kommende Protest in mir, das erst nachdem sie Milliarden in ihr VDSL Netz hereingeschüttet haben, das jetzt von Kabel Deutschland massiv Konkurrenz bekommt? Hätten sie bei diesen Ausbauarbeiten nicht gleich den nächsten Schritt gehen können, um der Konkurrenz technisch, und nicht nur staatlich-priviligiert, voraus zu sein?
Aber Moment – vielleicht unterschätze ich die Telekom in dieser Hinsicht! Vielleicht haben die Bonner bereits jetzt alle technischen Möglichkeiten vorbereitet, die VDSL-Kästen dienen als Anschaltpunkt für die Glasfaser, es muss nur noch bis zum Haus des Kunden verlegt werden …
Hier in der Firma sind wir immer noch über "nur" 16 MBit Alice-DSL angebunden. Die eine reale Datenrate von ca. 10 – 12 Mbit ermöglicht. Und das reicht, wie ich finde. Vielleicht nicht für Triple-Play – denn wir schauen sowieso kein Fernsehen (Grüße an die GEZ!), und für Telefonie und "normale" Down- und Uploads reicht diese Leitung.
Das führt zu der Frage, wozu möchte Otto Normalverbraucher eine 1 Gbit Leitung haben? Und er muß sie wollen, denn die Geeks bilden immer noch eine Minderheit unter den Deutschen Onlinern! Wenn nur diese das Produkt haben wollen würden, würde es sich wirtschaftlich für die Telekom nicht rentieren.
Wenn wir mal von der wilden und völlig absurden Spekulation absehen, dass die Telekom die ganzen Hoster ruinieren möchte bzw. ihre Kunden zu sich in die Rechenzentren (natürlich mit 1 Gbit Anbindung pro Server, damit jeder Server seinen Besucher vollwertig bedienen kann) abwerben möchte – was bleiben dann noch für mögliche Anwendungen für den zitierten Otto übrig?
"Guck mal, meine Leitung hat mehr Bandbreite als deine!"
- "Dafür läufts bei mir im Bett noch!"
"Na und? Ich kann mir gleichzeitig tausende von Betten per Live-Stream auf meinen HDTV-fähigen Fernseher der nächsten Generation …"
- "…schnarch…"
Was für Anwendungen jenseits des einen simultanen HDTV-Streams pro Haushalt (man bedenke: oft Single/Paarhaushalte OHNE Kinder!) sowie der möglicherweise zwei-drei in HiFi geführten Telefonate und die daneben natürlich laufenden Downloads sollen bitte diese monstermäßige Bandbreite ausschöpfen? Server??
Die Telekom ist auf jeden Fall auf dem richtigen Weg, mit den anderen Ideen und Strategien – Partnerschaften mit Content-Anbietern, der Vorstoß in das Bezahlfernsehen, usw. An die hohe Marktdurchdringung der 1Gbit Leitung glaube ich persönlich nicht – zu speziell sind die Bedürfnisse eines Menschen der so eine Leitung braucht, als dass man sie mit Fiber-To-The-House erfüllen könnte.
Viel Glück und Erfolg, Herr Obermann! Und Mut zur Lücke :-)